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IT-Texte

Aus einer Predigt des Boron-Geweihten Etilian von Havena

Was ist der Tod?

Oft wird dir diese Frage begegnen – ändern wird sich allein deine Antwort. 

Ein Schrecken sei der Tod, sagst du? Du fürchtest doch nicht ebenso den Schlaf, Geschenk des Herrn und kleines Abbild des Todes, sondern heißt ihn voll Sehnsucht willkommen als Erquickung und Labsal nach einem mühseligen Tag.

Ehrfurchtsvoll flüsterst du vom Totenrichter, dem Dunklen Vater, nennst ihn deinen Gebieter der Nacht, Herr der letzten Dinge oder Meister der Mysterien. Und ebenso rufst du ihn den Endgültigen, dem keiner länger entkommen wird als bis zum Ende seines Lebens. Er ist es,

der mit seiner Gabe einen Ausweg liefert am Ende des Lebens und er ist es, der das Tor öffnet, aus Dere hinaus in eine andere Sphäre. So schenkt und nimmt der Rabenherr gleichermaßen, und seine Güte mischt sich mit unerbittlicher Strenge. Sanft mag die Berührung seiner Hand sein, leicht wie der Hauch einer Feder, und doch unentrinnbar und stärker somit noch als alle anderen Mächte dieser Welt. Du aber fürchtest, was du nicht kennst und suchst das Wissen zu meiden, dass ein jeder dem Herrn Boron am Ende seines Weges gegenübertreten muss. Denn auch du schuldest ihm noch einen Tod.

Was ist er also, dieser Tod? Unvermeidbar.

 

“Das Rauschen des Meeres ist nicht nur angenehm, sondern verschluckt auch unsere Worte für etwaige unliebsame Zuhörer.”

“Ist es denn so ernst oder prekär, was Ihr mir hier am Rande der Stadt sagen wollt, Hochwürden?”

“Manch einfacher Geist könnte Ketzerei oder Schlimmeres vermuten, wenn ich dir die Worte der nun wieder erwachten Maharaha verkünde. Manch einer wird aber sagen, es sei notwendig, allem nachzugehen, was dem Herrn des Todes zu nutzen vermag. Darum ziehe nach Ebelried, wo auch das Spital für die Sterbenden wieder erwachen soll. Was du dort zu tun hast, will ich dir aber näher am Strand berichten, wo der Wellen Klang das Geheimnis dieser Weisungen zu schützen vermag.”

zufällig belauscht von einer betrunkenen Bettlerin im Hafen

 

“Immer wieder schreibe ich, um meine Gedanken und Sinne zu ordnen, was mich bewegt und bedrückt. Das meiste davon wird der Nachwelt belanglos vorkommen. Doch heute hat uns eine Nachricht erreicht, die nicht nur mich, sondern eine ganze Welt bewegen wird. Der Rabe von Punin ist verschieden, während sich der Patriarch von Al’Anfa bester Gesundheit erfreut. Über einhundert Götterläufe war Bahram Nazir alt und viele Jahrzehnte davon stand er unserer Kirche vor. Wer wird diese Lücke füllen und vor allem wann wird sie gefüllt werden? Ich fürchte, dass die nächsten Monde unsere Kirche in eine Starre versetzen werden, während der Kult des gekrönten Raben seine Klauen nach weiteren Teilen des Südens ausstreckt, da das Reich der Kemi wohl nicht genug war. Ob ich den Gerüchten glauben mag, dass der Tod unseres Herrn eine einhellige Entscheidung von ihm und den Patriarchen gewesen sein soll? Ein gemeinsames Artefakt für beide Kirchen haben sie geschaffen. Doch wird es auch die Kirchen einen? Von den Gläubigen ganz zu schweigen.”

Tagebucheintrag von Marbonius von Ebelried im Hesinde 1044 BF

 

Erlass des Grafen

So sei den Angehörigen der Boronkirche des Puniner Ritus, unter der Führung seiner Ehrwürden Etilian von Havena, gestattet, den verlassenen Gutshof derer von Dunkelstein außerhalb der Stadtmauern von Ebelried und in der Nähe der Boronfelder unter die Obhut der Kirche des Schweigsamen zu stellen. Sie mögen dort ein Spital für all jene errichten, die gemäß den Tugenden der heiligen Etilia umsorgt werden, auf dass sie letztendlich die Gnade Firuns oder Borons erfahren oder ihnen für den Tag ihres Seelengerichtes noch ein wenig Zeit bleiben mag. Bis zum 15. Boron des Jahres 1049 BF muss es dem neu zu gründenden Hospiz gelingen, die Unterstützung und Weisung des Raben von Punin zu erlangen, sonst fällt die Behausung wieder zurück in die Besitzungen der Familie Ehrenstein.

Jarlak Kunibald Geldor von Ehrenstein, Graf von Ebelried, Erbprinz der Tobrischen Lande

Ebelried am 15. Boron 1044 BF


Das Setting

Wir bespielen die Baronie Gräflich Ebelried in den weißtobrischen Landen im Boron 1048 BF. Die Befreiung von Mendena durch den Schwertzug der Streiter:innen der zwölfgöttlichen Lande gegen Helme Haffax ist bereits einige Jahre (1039 BF) her. Ilsur, Warunk, Mendena und Perainefurten stehen der Stadt Yol-Ghurmak gegenüber, die sich noch immer unter der Herrschaft von Dämonendiener:innen befindet und gleichzeitig dem transysillischen Gebiet des dunklen Werwolfherzogs Arngrimm von Ehrenstein im Westen Tobriens.

Die Stadt Ebelried liegt an der Mündung des Tizam in die Tobimora und war einst eine stolze Stadt in der Nähe von Perainefurten und dem einstigen Ysilia, doch durch den anhaltenden Krieg ist sie zu einem Ruinenfeld verkommen. Auch wenn dieses seit kurzem wieder im Aufbau befindlich ist, nämlich seit der Graf von Tobimora, Jarlak Kunibald Geldor von Ehrenstein, - der Erbe des tobrischen Herzogs - im Jahr 1040 BF seinen Sitz in die Burg Ebeldûrn verlegt hat.

In Ebelried gab es einst ein Spital der Marbiden, des Ordens zur sanften Ruhe. Hier kümmerte man sich um die vielen Todgeweihten der Konflikte dieser Welt, wenn jenen durch Peraines Macht oder den Orden der heiligen Noiona nicht mehr zu helfen war. Doch auch das Spital ist heute nur noch eine Ruine. Und die unklaren Verhältnisse in der Boronkirche, seit der Rabe von Punin zu seinem Herren weitergezogen ist, sorgen dafür, dass der Wiederaufbau des Spitals ungewiss ist. Trotzdem ist es einigen Diener:innen der Boronkirche gelungen, in einem alten Gutshaus einen Ort der Heilung und Gnade zu schaffen, bei dem kein:e Gläubige:r der zwölfgöttlichen Ordnung Zurückweisung erfährt.

Die Figuren der Geschichte werden dieses improvisierte Spital der Boronkirche aus verschiedenen Gründen aufsuchen und dort in Ereignisse verwickelt, die sie sich höchstwahrscheinlich nicht selbst ausgesucht hätten.


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